27.03.2016Alter: 3 Jahre

Autor: Inge Müller im Kreis-Anzeiger vom 29.3.16

Rubrik: Musik
Osterkonzert 2016

Musikabteilung des Glauberger Traditionsvereins präsentiert sich kraftvoll und lebendig

„Verführerisch - bewegend - kraftvoll - lebendig": Mit diesen Attributen und originell gestylten Postern wirbt die Musikabteilung der Eintracht Glauberg zurzeit um musikalischen Nachwuchs - mit den gleichen Worten lässt sich auch ihr Osterkonzert beschreiben, das zunächst einmal nichts weniger vermuten ließ als ausgerechnet Nachwuchsprobleme. Am Übergang zur Pause drängten sich bereits mehr als 70 Aktive aller Generationen auf der Bühne, von den jüngsten Blockflötenkindern unter Anke Grasmück, die zuvor mit zarten Frühlings- und Kinderliedern zwei viel beklatschte Proben ihres Könnens abgeliefert hatten, über das Projektorchester unter seiner jungen Dirigentin Sina Valentin bis hin zum Stammorchester unter Richard Soberka. Eine von vielen Überraschungen dieses musikalisch herausragenden Abends: Das Stammorchester begleitete „The Lion Sleeps Tonight", vorgetragen vom Projektorchester und den Kindern, nicht spielend, sondern singend - und dabei den ganzen Saal zum Mitmachen animierend.

Neue Wege zu gehen, bevor sich die alten als Sackgassen entpuppen, Junge und Junggebliebene zum Instrumentenspiel zu verführen, bevor die Älteren damit aufhören, kraftvoll und mitreißend auf der Bühne zu agieren und als Verein miteinander lebendig zu bleiben - das scheint das Erfolgsrezept dieser Musikabteilung zu sein, die sogar über die Auswahl ihrer Stücke demokratisch per YouTube abstimmt, so Abteilungsleiter Julian Zinn in seinen Grußworten. Was dabei herauskommt, ließ sich jetzt in der österlich geschmückten Turnhalle Glauberg erleben.

Das Projektorchester legte zunächst den Schwerpunkt seines Vortags auf die Themen Aufbrach, Sehnsucht und Weite. So reiste man zunächst „Beyond The Highlands" (Benjamin Yeo) und bewältigte damit einen dynamisch sehr anspruchsvollen Satz mit zahlreichen Rhythmuswechseln. In Schottland verweilend, malten die jungen Musiker mit den „Tales From Scotland" (Ennio Salvere) den Gang einer Dudelsackformation, das Leben der Fischer und Seeleute und die Kunst der Sänger und Tänzer akustisch aus. Auch diese suggestive Technik, auf musikalischem Wege Bilder in Kopf und Herz zu erzeugen, sollte sich beim Stammorchester später wiederfinden. Doch zunächst brach man mit Gustav Holsts festlich getragenem „Chorale From Jupiter" aus dem siebenteiligen Opus „The Planets" zu den Sternen auf, wagte sich nach dem gekonnten Intermezzo der Blockflötenkinder mit den „Pirates Of The Caribbean" und ihrem oscarprämierten Intro auf hohe See und landete schließlich bei einem Potpourri mit beliebten Hits der „Monkeys" wie „Last Train To Clarkswell", „Daydream Believer" und „Hey, Hey, We're The Monkeys". Rauschender Applaus aus dem Saal und ein mehrmaliges „Daumen hoch" von Dirigentin Sina Valentin belohnte die junge Formation für ihre gekonnte Performance. Als Moderatorinnen hatten die Musikerinnen Janine und Katrin Schmidt durch diesen Programmteil geführt.

Nach der Pause gehörte die Bühne dem Stammorchester, das insgesamt sechs völlig unterschiedlich gefärbte „Klangteppiche" entrollte. Der Vortrag wurde von Georg Leboterf mit einer informativen Moderation begleitet. So widmete man den sinfonischen Bläsersatz „Abel Tasman" (Alexander Pfluger) dem niederländischen Seefahrer und Entdecker, der im 17. Jahrhundert als erster Europäer Neuseeland betrat - und damit ein Opus voller entschlossener Aufbruchstimmung, aber auch mit vielen romantisch-lyrischen Passagen. Ähnlich kontrastreich und anspruchsvoll präsentierte sich auch die Ouvertüre zur Operette „Wiener Frauen", ein Frühwerk von Franz Lehar. Hier galt es beschwingte Walzersequenzen, entschlossene, aber festlich gehaltene Polonaisen und kapriziöse Synkopensprünge zu meistern. Mit „Imagasy" (ein Kunstwort aus „Imagination" und „Fantasy") huldigte man dem kreativen zeitgenössischen Komponisten Thiemo Kraas und folgte ihm, begleitet von sanften Horn- und Flötentönen sowie fulminantem Percussionseinsatz, in die schöpferische, selbstvergessene Phantasiewelt eines Kindes, die noch im Erwachsenen schlummert und darauf wartet, zum Leben erweckt zu werden. Als „Zwei Mexikaner in Böhmen" (M. S. Heidt) agierten zur großen Freude des Publikums Jan-Niklas Weiser und Holger Klöppel im rasanten Trompetenduett zwischen Polka und Tijuana Brass. Besagte „akustische Reise" trat man mit dem „Orient Express" (Philip Sparke) an und erlebte musikalisch zum einen die technische Leistung des Luxusdampfzuges, zum anderen das Ende des 19: Jahrhunderts neue, leichte Wohlgefühl beim Reisen auf Rädern zwischen Paris und Istanbul. Das letzte Stück dieses abwechslungsreichen Konzertabends widmete das Stammorchester dem kanadisch-italienischen Jazzsänger Michael Buble und seinen großen Hits wie „It's A Beautiful Day", „Save The Last Dance" und „Haven't Met You Yet". Auch hier gab es, neben dem frenetischen Beifall aus dem Saal, Anerkennung vom eigenen Dirigenten. Richard Soberkas Charisma prägt ganz eindeutig das Können und die Spielfreude der jungen und gestandenen Aktiven, das sich in den beiden Zugaben noch einmal entfaltete: Mit dem „Marsch der Plagiatoren" erlaubte man sich einen Parforceritt durch insgesamt 36 Marschmotive in geschätzten fünf Minuten - und mit „Bis bald, auf Wiedersehen" die Rückkehr von der Sinfonie zum volkstümlichen Urgestein.